Grafiktablett Test

Grafiktabletts oder auch Digitalisiertabletts sind mittlerweile erschwinglich geworden. Selbst in Discountern werden immer wieder recht preiswerte Geräte angeboten. Die Preise reichen von unter 20 Euro bis in die oberen dreistelligen Zahlen.

Nicht jeder braucht unbedingt alle Funktionen eines Profigerätes und kommt auch mit einem kleinen Gerät aus. Andere sind auf bestimmte Funktionen und Leistungen angewiesen. Im Test zeigt sich, ob die billigeren Geräte den Ansprüchen genügen und ob die teureren Geräte halten, was der Preis verspricht.


Fast wie mit Stift und Papier

Grafiktablett TestFür die Bearbeitung von Grafiken bietet der PC oder MAC mittlerweile etliche Möglichkeiten. Nichtsdestotrotz muss die Grafik zunächst von einem talentierten Zeichner erstellt werden. Das geschieht entweder nach wie vor mit Stift und Papier und wird dann eingescannt oder der Zeichner versucht, per Maus direkt am Bildschirm zu zeichnen, was recht mühsam ist und nicht zu vergleichbaren Ergebnissen führt. Mit einem Grafiktablett lässt sich dagegen ähnlich arbeiten, wie mit Papier. Es ähnelt einer kleinen Schultafel, auf der man mit Hilfe eines speziellen Stiftes schreiben und per touch zeichnen kann.

Ganz wie bei der USB-Maus werden diese Bewegungen direkt in ein Grafikprogramm übertragen. Dabei sind die Striche nicht nur weitaus präziser, sondern können je nach Druck auf den Stift auch in ihrer Stärke variiert werden. Die erstellte Grafik kann gleich entsprechend mit der benutzen Software weiter bearbeitet werden. Auch als Steuerungsgerät für die Software ist der Stift benutzbar, so dass alle Arbeitsschritte der Weiterverarbeitung, der Weiterleitung des Ergebnisses oder etwa der Veröffentlichung im Internet ebenfalls mit dem Pen Tablet durchgeführt werden können.

Das Ganze funktioniert mittels einer im Stift befindlichen Spule, die ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Im Grafiktablett selbst ermitteln Leiterschleifen die Signale und erkennen daran die Position des Stiftes. Auch andere Signale, wie etwa die Druckstärke des Stifts, werden digitalisiert und an den Computer oder MAC weitergegeben.

Man unterscheidet zwischen „aktiven“ Stiften, die eine Batterie mit Strom versorgt, und „passiven“ Stiften, die durch Induktion direkt vom Grafiktablett versorgt werden. Moderne Touchscreens ermöglichen auch das Zeichnen mit den Fingern oder anderen Objekten.

Ein Gerät für Profis und Freizeitmaler

Trust GrafiktablettGrafiker können mit diesem nützlichen Gerät bequem und wie gewohnt ihre Zeichnungen anfertigen und sie sofort im Computer weiterverarbeiten. Praktisch ist auch, dass der Elektrostift auch durch Papier hindurch funktioniert. Auf Papier gefertigte Skizzen können so auch durch Abpausen digitalisiert werden. Das macht das Gerät auch für weniger talentierte Zeichner interessant, denn im Prinzip lässt sch so jedes Bild maßstabgetreu abpausen ohne dass man selbst ein Gefühl für Proportionen und Formen haben muss. Besonders geeignet ist hierfür auch ein sogenannter Puck, der eher wieder einer Maus ähnelt und über die Konturen geführt wird. Dabei wird mittels eines Fadenkreuzes besonders präzise die Vorlage nachgezeichnet.

Neben der digitalen Malerei werden Grafiktabletts in vielen kreativen Bereichen angewendet. Für Designer besteht der Vorteil darin, dass Skizzen sofort weitergeleitet werden und ausgetauscht werden können. Moderne CAD-Programme sind mittlerweile in der Lage, derartige Skizzen in 3D-Modelle umzusetzen. Für Film und Fernsehen werden die Film-Sets meist per Grafiktablett digital vorgezeichnet. Andere Anwendungsbereiche sind Präsentationen, bei denen das Grafiktablett den alten Overheadprojektor ersetzt, sowie der Online-Austausch, der eine schnelle Kommunikation und Zusammenarbeit bei Projekten ermöglicht.

Die Arbeit mit dem Grafiktablett

Wacom Bamboo GrafiktablettGrafiktabletts gibt es in unterschiedlichen Größen. Hierbei gilt natürlich: desto größer die Arbeitsfläche desto kostspieliger wird es. Arbeiten lässt sich aber schon mit einem Grafiktablett im sogenannten Postkartenformat, also DIN A 6. Der Spezialstift gehört üblicherweise zum Lieferumfang dazu, oft kann man weitere Spezialwerkzeuge zusätzlich erwerben. Mit diesen werden etwa Maltechniken simuliert, so dass auch regelrechte Gemälde am Computer entstehen können. Moderne Touchscreens erlauben zudem auch das Zeichnen mit dem Finger oder mit sonstigen Gegenständen.

Die Steuerung eines Stiftes über die Finger ist weitaus präziser als die Steuerung mit der Maus, die über Handgelenk und Ellenbogen läuft. Die Zeichnungen sind daher sehr viel präziser und die Arbeit verläuft sehr viel entspannter.

Sensitive Grafiktabletts geben den Druck auf den Stift als dickere oder dünnere Linien wieder, was weitaus realistischere Ergebnisse erbringt.

Perixx PeritabDie Positionierung des Stiftes ist zudem weitaus genauer als bei der Maus. Während man bei der Maus den Cursor auf dem Monitor beachten muss, um dann durch Bewegung an der richtigen Stelle anzusetzen, entsprechen beim Grafiktablett die Koordinaten wirklich denen auf dem Monitor. Will man mit der Maus einen Strich von der Mitte des Bildes aus zeichnen, so muss man erst den Cursor dort positionieren, beim Grafiktablett entspricht die Mitte des Tabletts der des Bildschirms.

Während die Maus standardmäßig für Rechtshänder konzipiert ist und der Linkshänder sich entweder daran gewöhnen oder die Tastenbelegung umprogrammieren muss, ist ein Grafiktablett mit beiden Händen gleich einfach zu bedienen.

Vor- und Nachteile des Grafiktabletts

Die Vorteile sind

  • Bequeme Digitalisierung
  • Arbeiten in gewohnter Art
  • Präzise Positionierung
  • Schneller Online-Austausch mit Mitarbeitern
  • Schneller Austausch von Werkzeugen
  • Direktes Weiterbearbeiten per Software
  • Für Linkshänder und Rechtshänder gleichermaßen geeignet

Nachteilig sind:

  • Zusätzlicher Platzbedarf
  • Steuerung von Programmen schlechter als mit der Maus

Wie groß sollte das Digitalisierungstablett sein?

Für spezielle Anwendungen gibt es Sonderformate in verschiedenen Größen, für den üblichen Gebrauch sind Größen von A6 bis A3 im Handel. Je nach dem Format sind die Geräte schmaler als 20 cm oder einiges über 30 cm breit. Üblicherweise ist das Grafiktablett kleiner als der Monitor, dennoch werden die Zeichnungen 1:1 übertragen.

Wacom BambooDer Vorteil kleinerer Geräte liegt auf der Hand. Man findet leichter Platz auf seinem Schreibtisch und es ist leicht zu handhaben. Zudem ist der Preis natürlich weitaus günstiger als bei einem größeren Gerät. Sie eignen sich für die alternative Bedienung des Computers anstelle der Maus und für einfache Skizzen oder die Digitalisierung von Handschrift, etwa als Signatur für Massenschreiben oder zur Weiterverarbeitung in Grußkarten oder Postern. Beim Zeichnen ist die geringe Größe insofern von Nachteil, als dass kleine Bewegungen entsprechend größer auf dem Monitor umgesetzt werden, was präzises Arbeiten etwas erschwert.

Wer also vorrangig Grafiken erstellen will, wird eher auf ein Gerät im Format A4 oder gar A3 zurückgreifen. Hierzu bedarf es entsprechend viel Platz auf dem Arbeitstisch.

Idealerweise entspricht die Größe des Gerätes der des Monitors so, dass Arbeitsfläche und Bildschirm gleich groß sind. Bei einem Grafiktablett im DIN A4 Format entspricht die Größe auch dem Ausdruck auf Papier.

Merkmale für die Qualität

Die Auflösung eines Grafiktabletts wird in lpi angegeben. Das steht für „lines per inch“, zu Deutsch „Linien pro Zoll“. Diese Linien kann man sich wie ein Raster vorstellen. Desto höher der lpi-Wert ist, desto höher ist die Auflösung des Gerätes. Das Raster ist also feiner, wodurch eine höhere Qualität erzielt wird. Dabei erzielen Grafiktabletts lpi-Werte von mehreren Tausend Linien pro Zoll.

Entscheidend ist auch der Stift. Es hat sich als Standard durchgesetzt, dass kabellose Stifte mitgeliefert werden. Stifte mit Kabel behindern das Zeichnen sowohl durch die Verlagerung des Schwerpunkts als auch durch die Einschränkung der Kabellänge. Auch Batterien oder Akkus verändern Gewicht und Ergonomie des Stiftes und können somit die freie Handhabung einschränken. Moderne Stifte werden meist durch Induktion direkt vom Grafiktablett mit Strom versorgt.

Qualitätsunterschiede machen sich bei der Empfindlichkeit des Stiftes bemerkbar. Ein guter Stift gibt stärkeren Druck als dickere Linien wieder, leichteren als dünnere Linien. Dadurch lässt sich natürlich Zeichnen und das Ergebnis wird realistischer. Gemessen wird dies in Druckstufen. Hochwertige Grafiktabletts werden mit Stiften geliefert, die Druckstufen von 1024 bis 2048 haben.

ZeichentablettGute Tabletts erkennen auch unterschiedliche Malwerkzeuge, die untereinander ausgewechselt werden können. So zeichnet man etwa mit einem Bleistift vor und malt mit einem Pinsel aus. Ein „Radiergummi“ am Ende des Stiftes funktioniert genauso wie bei den alten Bleistiften aus der Schulzeit, entfernt aber fehlerhafte Striche wirklich spurlos.

Verschiedene Malwerkzeuge können bei einigen Geräten hinzugekauft werden, bei anderen reicht es bereits, das jeweilige Werkzeug im Menü des Tabletts umzustellen. Äußerst bequem sind daher Geräte mit programmierbaren Tasten. So kann man die Tasten derart belegen, dass man die gebräuchlichsten oder bevorzugten Malwerkzeuge stets mit einem Tastendruck einstellen kann. Praktisch ist auch die Möglichkeit per Tastendruck oder auch Regler Eigenschaften verändern kann, wie etwa die Stiftbreite oder die Transparenz der Farbe.

Software zur Bearbeitung digitaler Bilder vom Grafiktablett

Pen Tablets können grundsätzlich mit jedem Programm arbeiten, das über eine graphische Oberfläche verfügt. Besipiele für ein gutes Zusammenspiel von Hardware und Software sind folgende Grafik- und 3D-Programme:

  • Adobe Photoshop
  • Corel Painter
  • Gimp (Freeware)
  • SketchBook Pro (von Alias)
  • MyPaint (Freeware)
  • ZBrush (3D-Programm von Pixologic)
  • Mudbox (3D-Programm von Skymatter)
  • Maya (3D-Programm von Alias)
  • Blender (3D-Freeware)
  • Softimage XSI (3D-Programm von Autodesk)
Hersteller von Grafiktabletts

Wacom CTH 480S DEIT IntuosFührender Hersteller von Grafiktabletts ist die japanische Firma Wacom. Seit 1983 produziert und verkauft Wacom seine patentierten Grafiktabletts und entwickelt entsprechende Software dazu. Bereits 1984 brachte die Firma das erste Grafiktablett mit kabellosem Batterie heraus und 1987 den ersten Stift, der ohne Batterie arbeitete. Die Grafiktabletts der Reihe Bamboo sind klein und recht einfach gehalten. Die Reihe Intuos4 setzte in punkto Auflösung und Funktionsumfang neue Maßstäbe, war aber auch die bislang teuerste Produktreihe. Auch mit Intuos5 brachte Wacom eine maßgebende Reihe auf den Markt. Bei der Cintiq-Reihe handelt es sich um Flachbildschirme mit integriertem Intuos-Digitaliserungstablett.

Die chinesische Firma Hanvon musste sich 2007 mit Wacom vor Gericht um die Patente streiten. Der Gerichtsstreit ging zugunsten von Hanvon aus, die ebenfalls Grafiktabletts mit kabellosen Stiften auf den Markt brachten. Die Qualität der Tabletts lässt sch durchaus mit denen von Wacom messen und preislich liegen sie unter der Konkurrenz aus Japan. 2012 zog sich Hanvon allerdings aus dem deutschen Markt zurück, da sie in ihrem Hauptbereich, Lesegeräte für e-Books, nicht mehr konkurrenzfähig waren.

In Supermärkten werden meist die Grafiktabletts der taiwanesischen Firma Aiptek angeboten. Aiptek steht für „Advanced Intelligent Personal Technologies“. Die 1997 gegründete Firma stellt diverse Produkte der Unterhaltungselektronik her, außer mit Grafiktabletts wurden sie durch Camcorder bekannt und brachten den ersten mobilen Videoprojektor auf den Markt. Neben günstigen Preisen versucht Aiptek auch schon mal mit bunten Gehäusen oder außergewöhnlichen Formen die Käufer anzusprechen.

Die niederländische Unternehmensgruppe Trust International B.V. mit der in Kleve ansässigen Niederlassung Trust Deutschland GmbH vertreibt neben verschiedenen Hardwarekomponenten auch Grafiktabletts. Die Firma erhebt den Anspruch höchste Qualität zu einem guten Preis/Leistungs-Verhältnis anzubieten. Mit dem „Slize Ultra Slim Graphic Tablet“ brachten sie im vergangenen Jahr ein Grafiktablett auf den Markt, das nur 5 mm hoch ist und eine Auflösung von 4000 lpi bietet.

Medion bietet regelmäßig preisgünstige Grafiktabletts für den deutschen Markt an. Dabei handelt es sich aber nicht um eigene Produkte, sondern um den oben genannten Hersteller Aiptek. Dasselbe gilt für die Marke Tevion, die ihre Produkte oft von Medion bezieht. Beide Marken beliefern Discounter mit technischen Produkten.

Grafiktabletts im Test

ZeichenstiftGetestet wird zunächst einmal die Verarbeitung. Gussfehler an der Hülle oder offene Spalten sind ebenso Mängel, wie eine schlechte Verschraubung. Die Ergonomie des Gerätes sollte eine möglichst entspannte Arbeitshaltung gewähren. Gibt es Funktionstasten und sind diese frei programmierbar? Wie viele Stifte gehören zum Lieferumfang? Sind die Stifte leicht auswechselbar, beziehungsweise ist der Wechsel einfach über die Software möglich?
Üblicherweise muss ein Treiber installiert werden. Auch hier wird bewertet, wie einfach oder kompliziert die Installation ist und ob wichtige Funktionen wie etwa die Druckintensität eingestellt werden können.

Bei einigen Tabletts kann die aktive Fläche begrenzt werden, um bestimmte Bildformate bestmöglichst nutzen zu können.

Bezüglich Verschleiß darf ein gutes Grafiktablett nicht zu schnell verkratzen. Dies würde auch den Stift beeinträchtigen, der dann früh seine Sensitivität verliert. Andererseits setzen manche Hersteller bewusst auf angeraute Oberflächen des Tabletts, was Vorteile beim Zeichnen bringen kann, aber ebenfalls den Verschleiß des Stiftes begünstigt.

Wichtig ist die Anzahl der Druckstufen und die Auflösung in lpi. Gute Grafiktabletts registrieren zudem den Neigungswinkel des Stiftes, um möglichst realistische Ergebnisse zu erzielen. Zum professionellen Arbeiten muss aber auch die Übertragung vom Tablett auf den Computer schnell genug sein. Die beste Auflösung bringt nichts, wenn die Zeichnung nur mit Verzögerung auf dem Monitor erscheint und den Arbeitsfluss beeinträchtigt.

In der Praxis stellt sich die Frage, wie der Stift in der Hand liegt, ob er gut ausbalanciert ist und ob dies auch nach längerem Arbeiten noch so ist. Letzten Endes spielt natürlich auch der Preis eine Rolle, wobei ein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis wichtiger ist als einfach nur ein niedriger Preis auf Kosten der Qualität.

Fünf Gründe für den Test von Grafiktabletts
  • Man sollte weder einfach das preisgünstigste Gerät nehmen, noch sich darauf verlassen, dass ein teures Gerät auch gut ist. Testberichte können einen vor Ramschware ebenso bewahren wie vor überteuerten Produkten.
  • In einem Testbericht bekommt man den Überblick über verschiedene Geräte im Vergleich. So erfährt man, welche Marken und welche Tabletts sich positiv hervorheben.
  • Nicht jedes Grafiktablett eignet sich für jede Nutzung. Im Test wird klar, welches Tablett welchen Ansprüchen genügt.
  • Die beste Ausstattung macht keinen Spaß, wenn nach einiger Zeit die Hand bei der Arbeit verkrampft. Im Test stellt sich heraus, ob die Arbeit auch über längere Zeit angenehm ist.
  • Ein Grafiktablett wird schnell unbrauchbar, wenn die Arbeitsfläche schnell verkratzt oder der Stift seine Sensitivität verliert. Im Test wird das Material auf Herz und Nieren geprüft.